Umgang mit Demenz

Demenz und Selbstbestimmung

Der Begriff Selbstbestimmung steht oftmals für sich allein und wird, gerade was den Umgang mit dementiell veränderten Menschen betrifft, häufig missachtet. Die Umsetzung eines selbstbestimmten Lebens geht nur unter Beachtung der Würde des Menschen und eines respektvollen Handelns. Was eigentlich als Selbstverständlichkeit angesehen werden sollte, erweist sich in der Praxis oftmals als nicht gegeben.

Was aber verhindert Selbstbestimmung?

  • Caritatives Handeln aus Mitleid
  • Infantilisierung von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung
  • Theorie der erlernten Hilflosigkeit
  • Mangelnde Risikobereitschaft: Vermittlung einer „gefährlichen“ Welt
  • Das „heimliche Betreuungskonzept“: Monopol auf Hilfeleistungen durch Pflegepersonal oder Angehörige, wirtschaftliche Interessen kollidieren oft erheblich mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung

Die Auflistung ist erweiterbar, ein Blick in die Praxis genügt um weitere Beispiele aufzuführen.

Was aber fördert Selbstbestimmung?

  • Vorhandensein einer emotionalen Vertrauensperson
  • Verstehbarkeit und Handhabbarkeit der Situation
  • Kommunizieren können, Erfolge haben
  • Positives Selbstkonzept
  • Aktivierende Arbeit hat Vorrang vor betreuender Tätigkeit

Auch dies ist nur eine kleine Auflistung von Beispielen.

Ein Leitsatz meines Tuns und Handelns lautet:

Besteht Selbstgefährdung?

Besteht Fremdgefährdung?
Besteht Gefahr des finanziellen Ruins?

 

Sind diese Punkte nicht gegeben, besteht auch kein Handlungsbedarf einen Eingriff in die Selbstbestimmung vorzunehmen.

Der Deutsche Ethikrat hat in einer Stellungnahme zu diesem Thema u.a. wie folgt argumentiert:

„Wo ein Mensch die geistige Fähigkeit zur Bewahrung seines Wohls vor schweren Schäden nicht oder nicht mehr hat, müssen andere in seinem Interesse für ihn handeln. Dem eigenen Willen des Betroffenen, auch wenn er ihn nur unvollkommen bilden und äußern kann, kommt jedoch in der Abwägung mit seinen Interessen, wie andere sie sehen, eine herausragende Bedeutung zu.“

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